Verändert Corona das Flirt-Verhalten?

Befragung ergibt keine signifikante Veränderung des Sexting-Verhaltens aufgrund der Corona-Pandemie

Sexting? Was ist das denn? Also schauen wir zuerst mal Wikipedia nach: “Sexting ist die private Kommunikation über sexuelle Themen per mobiles Messaging. Im engeren Sinn handelt es sich um Dirty Talk zur gegenseitigen Erregung. Seit Verfügbarkeit der Multimedia Messaging Services (MMS) und Instant-Messagern wie WhatsApp kann damit auch der Versand von erotischem Bildmaterial des eigenen Körpers über Instant-Messaging-Anwendungen durch mobile Endgeräte verbunden sein.”

Online-Chat - Sexting
Online-Chat – Sexting
Bild von Pexels auf Pixabay

Aha. Soweit so gut. Nun ließe sich vermuten, dass diese Art der Kommunikation gerade während der Corona-Pandemie Hochkonjunktur hat. Denn geschlossene Clubs, Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen erotischen Flirt im realen Leben. Digitale Alternativen sind also gefragt. Per Smartphone lassen sich bequem erotische Nachrichten hin- und herschicken. Doch hat das sogenannte Sexting seit Beginn der Pandemie wirklich zugenommen? Und wie vorsichtig sind die Deutschen, wenn es um ihre Intimsphäre geht? Die Erotik-Community Joyclub wollte es genau wissen und hat 2.000 Mitglieder zu ihrem Sexting-Verhalten befragt.

Sexting ein Massenphänomen?

Sexting ist mittlerweile offensichtlich ein Volkssport – und das unabhängig vom Geschlecht. 84 Prozent der in der Studie Befragten geben an, schon einmal Dirty-Talk-Nachrichten zur gegenseitigen Erregung verschickt zu haben. 82 % haben sich nicht nur per Text aufgeheizt, sondern auch explizite Fotos oder Videos von sich verschickt.

Männer und Frauen ticken anders

In der Art und Weise, wie die Geschlechter miteinander chatten, zeigen sich Unterschiede. Frauen mögen es tendenziell eher stilvoll (54,8 Prozent). Getreu dem Motto „Weniger ist mehr!“ geht es ihnen vor allem um das Kopfkino. Bei den Männern hingegen darf es ruhig explizit und gerne auch direkt freizügig werden (58,7 Prozent).

Die meisten Frauen haben Erfahrung mit unerwünschten Nachrichten

Nicht alle erotischen Chats beruhen dabei auf gegenseitigem Einvernehmen. So geben 86 Prozent der Frauen an, bereits unerwünschte Sexting-Nachrichten erhalten zu haben. Bei den Männern ist es nur ein Drittel.

Datenschutzexperten raten zur Anonymität

Wie heißt es so schön? Das Internet vergisst nie. Ist eine Nacktaufnahme erstmal verschickt, lässt sie sich in der Regel nicht zurückholen und ihre Verbreitung nicht mehr kontrollieren. Datenschutzexperten raten dazu, entweder auf den Versand erotischer Fotos und Videos zu verzichten oder zumindest die Anonymität zu wahren und zum Beispiel kein Gesicht zu zeigen.

Die Befragten scheinen sich diesem Problem größtenteils bewusst zu sein. Allerdings macht es einen gravierenden Unterschied, ob der Empfänger der eigene Partner oder nur ein loser Flirt ist. So achten beim Versand erotischer Aufnahmen an den Partner 38,2 Prozent der Befragten darauf, dass kein Gesicht zu sehen ist. Beim Sexting mit einem Flirt versuchen ganze 75,6 Prozent, auf Nacktfotos und Videos anonym zu bleiben.

Sexting mit anderen für die meisten kein Fremdgehen

Wer ohne Wissen des Partners erotisch chatten möchte, sollte vorsichtig sein. Immerhin 22,1 Prozent der befragten Frauen und 15,3 Prozent der Männer geben an, ihren Partner schon mal beim Sexting mit einer anderen Person erwischt zu haben. Dies muss aber nicht zwingend eine Trennung zur Folge haben. Nur 28,4 Prozent der Befragten würden das geheime Sexting des Partners als Fremdgehen bezeichnen.

Die Pandemie kann auch ein Lustkiller sein

Wer denkt, Lockdown und Kontaktbeschränkungen beflügeln das Sexting-Verhalten der Deutschen, liegt falsch. Zwar geben 20,2 % an, häufiger erotische Nachrichten zu verschicken als vor der Pandemie. Gleichzeitig scheinen 17,9 % der Befragten die Lust auf sexuelle Konversationen eher vergangen zu sein. Sie haben ihre Sexting-Aktivität stark heruntergefahren. So zeigt sich keine signifikante Veränderung des Sexting-Verhaltens durch die Corona-Pandemie. Offensichtlich freuen sich die meisten auf die Zeit danach, um die virtuelle Theorie wieder in die Praxis umzusetzen.

Frau mit Smartphone - Online-Chat - Sexting - 50plus-Mann
Frau mit Smartphone – Online-Chat – Sexting – 50plus-Mann Bild von Pexels auf >Pixabay
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