High Fidelity

Wie ich den Rob in mir entdeckte

Teil 1 der besonderen Momente im Leben, in denen Bücher, Musik, Filme oder anderes Kulturgut 😉 eine Rolle gespielt haben.

High Fidelity von Nick Hornby

High Fidelity - Nick Hornby
High Fidelity – Nick Hornby

Schon immer war ich ein beständiger Mensch -und so dauerte meine erste feste Beziehung über zwölf Jahre. Im Alter von 16 bis 28 Jahren verband sich alles, was sich im Leben abspielte fast schon untrennbar mit dieser Frau. Das ist insbesonders deshalb bemerkenswert, weil genau in dieser Altersspanne die meisten ausprobieren, testen und einen häufigen Partner(innen)wechsel vorzuweisen haben.
Und so war ich ziemlich vor den Kopf gestoßen, irgendwie total leer und perspektivlos als sie sich einen neuen Partner nahm. Ich sei ihr zu langweilig geworden, mir fehle die Jugendlichkeit und überhaupt … dies sagte sie mir allerdings schon einige Zeit, bevor sie sich entschloss einfach nicht mehr in die gemeinsame Wohnung zurückzukehren. Ich war so blauäugig (und in Trennungen absolut unerfahren), dass ich die Signale überhaupt nicht erkannte. Dass sie damals sich längst innerlich von mir losgesagt hatte, wurde mir erst sehr viel später klar.
Da ihr die Eigentumswohnung gehörte, zog ich aus und zog mich in meinem unendlichen (Selbstmit-)Leid erst mal ins elterliche Haus zurück, was aber keine dauerhafte Lösung sein konnte. Also hatte ich schon bald meine eigene Wohnung, wo ich dann traurig, einsam und verlassen dem Selbstmitleid frönte, mich in meine musikalischen Band-Aktivitäten und schon bald in meinen neuen Job stürzte.
Mein Trennungsschmerz und meine Unfähigkeit damit umzugehen, gepaart mit meinem starken Bezug zur Rockmusik, waren wohl die naheliegende Vorlage für meine Schwester, die mir dazu das Buch „High Fidelity“ von Nick Hornby schenkte. Für mich war dieses Buch damals großartig. Oder um es mit den Worten des Guardian zu sagen: “High Fidelity zu lesen, ist wie einer guten Single zuzuhören. Du weißt, es ist von der ersten Minute wunderschön, und sobald es vorbei ist, willst du es von vorn anhören.“

Für die Jüngeren unter den Lesern kurz erklärt:

  • Eine Single war eine Schallplatte, also Vinyl, auf der auf Vorder- und Rückseite jeweils nur ein Musikstück passte (eine Vinylschallplatte war das, was es vor der CD gab). Abzuspielen mit 45 Umdrehungen pro Minute.
  • High Fidelity war damals das Wort schlechthin. Seit sich Millionen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit den 70er-Jahren Stereoanlagen zulegten, wurde für die Industrie daraus ein Massenmarkt. Und High Fidelity wurde der Qualitätsstandard in der Tontechnik, das Zauberwort und Verkaufsargument für den Handel. Und da die Kinder immer älter wurden und mehr Geld zur Verfügung hatten, beschäftigten sie sich intensiv mit dem Klang ihrer Stereoanlage, besuchten sogar sogenannte Boxen-Studios, in denen hunderte von Lautsprechern neben einander standen, um sich die passenden auszuwählen. Die besonders coolen Trendsetter stellten sich wahre Lautsprechertürme ins Wohnzimmer und investierten Summen in der Größenordnung eines Kleinwagens in den richtigen Plattenspieler, den passenden Tonarm, die High-End-Abtastnadel und so weiter. Für die Partnerinnen der Freaks schwer zu verstehen und kein Zuckerschlecken. Für die ein oder andere Beziehung sicher auch ein Trennungsgrund.
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Zurück zum Roman von Nick Hornby:

Der 35-jährige Robert lebt im Londoner Stadtteil Crouch End und ist Besitzer eines Plattenladens. Er und seine beiden Mitarbeiter diskutieren häufig über ihre jeweiligen Top-Five Schallplatten oder ihre Top-Five schlechtesten Songs aller Zeiten. Die Listen werden immer absurder, beschäftigen Rob aber während des gesamten Romans. Am Anfang wird deutlich, dass auch Rob von seiner Freundin Laura, die Rechtsanwältin ist, verlassen wurde. Bei ihm war der Grund, dass er sie betrogen hatte, während sie schwanger war. Einen größeren Geldbetrag, den sie ihm geliehen hatte, wird er ihr nie zurückzahlen können, da sein Plattenladen nicht genug abwirft und er kein Geld zur Seite legen kann.
Rob besinnt sich also seiner Ex-Freundinnen, von denen er ebenfalls eine Top-Five-Liste erstellt. Mit all diesen Exfreundinnen trifft er sich der Reihe nach wieder, stellt aber fest, dass das keine Zukunft hat.
Dann lernt er die Rock-Sängerin Marie LaSalle kennen, die er verdammt interessant findet. Er spürt, dass er gerne mit ihr zusammen sein will. Marie fasziniert ihn, er findet sie echt cool, doch er kann sich nicht auf sie einlassen, da er immer noch an Laura hängt. Laura ist unterdessen mit Ian zusammen, der schon einige Zeit über der Wohnung von Rob und Laura lebte. Rob erfährt jedoch von Lauras bester Freundin Liz, dass Laura in ihrer neuen Beziehung nicht glücklich sei.
Am Ende des Buchs bahnt sich ein Revival der Beziehung von Rob und Laura an, doch weiß Rob, dass er sich ändern muss, wenn es von Dauer sein soll – und zweifelt sogleich daran, ob das möglich sein wird.

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Für Musikfans ein Muss

Ein Buch von Trennung, Trauer, Neuanfang, Wiederbeginn, Hoffnung, Enttäuschung, Verlieben, Entlieben – und einer ganz großen Menge Musik. Das Buch-Cover fasst es so zusammen: „ist es besser, in einer schmuddeligen Wohnung voll alter Platten und CDs zu leben, oder sollte man lieber eine Familie gründen?“

Der Rob in mir

Genau in dieser Zeit habe ich eine ganze Menge Rob in mir entdeckt. Heute, 25 Jahre später, muss ich zugeben, dass die Familienphase bei mir gründlich in die Hosen ging, meine Schallplatten- und CD-Sammlung habe ich aber nach wie vor.

Der Film

Übrigens: Der Roman wurde ein paar Jahre später verfilmt, mit John Cusack in der Hauptrolle. Ich habe mir den Film nie angesehen, weil ich die Erinnerung an den Roman und die Gefühle, die abgespeichert sind, nicht verwässern wollte. Der Film wurde allerdings ein großer Erfolg. Und ich muss zugeben, dass ich heute doch neugierig bin, ihn zu sehen.

Nick Hornby

Der Roman „High Fidelity“ war der zweite Roman von Nick Hornby, nachdem er mit seinem Erstling „Fever Pitch“ einen großen Erfolg feierte. Heute befinden sich in meinem Bücherschrank alle Romane Hornbys. Offensichtlich lässt sich sagen, dass ich ein großer Fan von ihm bin. Vielleicht deshalb, weil die Protagonisten oft Typen sind, die große Niederlagen oder Schicksalsschläge hinter sich haben, sich aber niemals wirklich aufgeben. Nur der letzte Roman „Miss Blackpool“ ist eine wunderschöne Hommage an die BBC-Hörspiele – mit einer weiblichen Protagonistin .
(habe gerade entdeckt, dass es der vorletzte Roman ist – Google sagt mir, dass es 2020 bereits ein neues Buch gab … warum sagt/schenkt mir das keiner??? 😉 )

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Und bei Euch so?

Hat „High Fidelity“ bei Euch auch eine Rolle gespielt? Oder was war es bei Euch? Was hat bleibenden Eindruck hinterlassen oder gar Euer Leben verändert?

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