Altersdiskriminierung im Job

Mit diesen fünf Tipps erkennt Man(n) Unternehmen, die sich aktiv gegen Voreingenommenheit einsetzen

Ein Gastbeitrag von Colm O’Cuinneain, General Manager EMEA bei Greenhouse zur Altersdiskriminierung

50plus-Mann - Altersdiskriminierung - Colm O'Cuinneain - Greenhouse
Colm O`Cuinnean (Foto), General Manager EMEA bei Greenhouse, einem US-amerikanischen Unternehmen für Hiring-Software, gibt Tipps, auf die Unternehmen bei der Auswahl von Kandidaten achten sollten.

Zu unflexibel, zu teuer, zu wenig digital versiert – älteren Jobbewerbern, die den beruflichen Neuanfang oder eine Umorientierung jenseits der 50 suchen, haben vor allem in Tech-Unternehmen und der Werbebranche häufig mit Voreingenommenheiten zu kämpfen.

Dabei sind gemäß Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) neben Diskriminierung aus ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion und Behinderung auch Benachteiligungen aufgrund des Alters rechtswidrig. Wer aufgrund eines dieser Merkmale zum Beispiel im Berufsleben ungleich behandelt wird, kann dagegen eine Klage einreichen.

Umgekehrt weisen Studien darauf hin, dass Teams, die bewusst auf Altersdurchmischung und Diversität setzen, häufig bessere Ergebnisse erzielen, weil sie sich Herausforderungen automatisch aus verschiedenen Perspektiven annähern. Aber woher kommt sie dann, die Diskriminierung im Job aufgrund des Alters?

Altersdiskriminierung: Strategien gegen Voreingenommenheit

Vorurteile sind menschlich. In der Regel fällt in den ersten fünf bis zehn Sekunden die Entscheidung, ob uns jemand sympathisch ist oder nicht. Die restliche Zeit wird dann unbewusst darauf verwendet, diese Voreinstellung rückzubestätigen. Das ist kein aktiver Prozess, sondern ein Vorgang, der bei jedem Menschen mehr oder weniger stark ausgebildet ist. Hier gilt es, Strategien und Prozesse zu etablieren, die diese Automatismen hinterfragen und offenlegen.

Es gibt Strategien, die Unternehmen dabei unterstützen, sich gegen bewusste oder auch unbewusste Voreingenommenheiten aufgrund des Alters von Kandidaten zu wappnen.

50plus-Mann - Altersdiskriminierung - Bild: (c) Foto von Ron Lach von Pexels
50plus-Mann – Altersdiskriminierung Bild: (c) Foto von Ron Lach von Pexels

Folgende Tipps sollten Kandidaten bei der Jobsuche beachten:

1. Vakante Stellen sollten transparent ausgeschrieben und auffindbar für alle sein

Jobportale wie Indeed und Stepstone sowie soziale Berufsnetzwerke wie LinkedIn und Xing sind die Online-Plattformen, auf denen Unternehmen ihre Stellen mit am häufigsten ausschreiben. Allerdings nutzen nicht alle Altersgruppen das Internet auf die gleiche Weise. Während “online first” eine Priorisierung sein kann, sollten Unternehmen dennoch ihre Personalbeschaffungskanäle so breit und vielfältig wie möglich aufbauen und auch Printmedien nicht vernachlässigen.

2. Auf inklusive Sprache und Wortwahl der Stellenanzeige achten

Die Sprache und Wortwahl nimmt Einfluss auf unser persönliches Empfinden und trägt dazu bei, ob eine Person sich von dem Unternehmen angesprochen fühlt und sich bewirbt. So können gewisse Formulierungen in Stellenausschreibungen Personen eines bestimmten Alters favorisieren oder ausgrenzen. Vorsicht ist beispielsweise bei Formulierung wie “jung und dynamisches Team sucht Dich” geboten. Sowohl die Bezeichnung “jung und dynamisch” als auch das Duzen kann ältere Kandidat:innen ausschließen. Besser ist es, wenn Stellenanzeigen altersneutral formuliert sind.

3. Gegen Altersdiskriminierung: Eigene Voreingenommenheit auflösen

Das Anforderungsprofil einer Stelle ist oftmals mit gewissen Eigenschaften verknüpft, die man eher mit älteren oder jüngeren Personen assoziiert. Die damit verbundene Altersdiskriminierung betrifft sowohl jüngere als auch ältere Bewerber:innen. Werden beispielsweise technische Eigenschaften und ein hohes Maß an Flexibilität zum Beispiel in Bezug auf Arbeitszeiten oder Geschäftsreisen gefordert, können ältere Menschen eher benachteiligt werden. Dahingegen werden jüngere Kandidat:innen bei Stellen, die eine langjährige Berufserfahrung voraussetzen, eher übersehen. Im Bewerbungsprozess geht es vor allem darum, Voreingenommenheiten auf beiden Seiten aufzulösen. Ein junger Arbeitnehmer kann beispielsweise weniger online-affin sein, wohingegen ein Mitte 50-jähriger maximale Flexibilität mitbringen kann. Schon heute setzen Unternehmen auf Schulungen zu unbewussten Voreingenommenheit bei Recruiter:innen. Aber auch Jobsuchende müssen sich nicht durch ihre eigenen stereotypisierten Muster begrenzen lassen. Denn wer wirklich die berufliche Umorientierung schaffen will, der sollte auch immer seine eigenen Fähigkeiten challengen und sich aus der Komfortzone bewegen.

4. Anonymisierung von Bewerberdaten

Unternehmen, die einem strukturierten Recruiting-Prozess folgen, sollten sich nach Möglichkeit lediglich auf die für die vakante Stelle relevanten Daten konzentrieren. Die Kernfrage lautet hier: Ist die Person aller Voraussicht nach geeignet, die vom Unternehmen an ihn/sie gestellte Aufgabe erfolgreich zu bewältigen? Wenn das Unternehmen einen strukturierten Hiring-Ansatz verfolgt, dann wird es ein Interview-Kit geben, das sich ausschließlich an den mit der Stelle verbundenen Anforderungen und Qualifikationen orientiert und auf dessen Basis die Entscheidung zur Einstellung erfolgt. Damit optimieren datengesteuerte Prozesse Einstellungsverfahren, indem gleiche Standards geschaffen und evidenzbasierte Entscheidungen getroffen werden. Einstellungsverfahren werden dadurch für Bewerber:innen und Personalverantwortliche nachvollziehbar und transparent.

5. Gibt es eine Unternehmens-Policy gegen Altersdiskriminierung?

Ob vor dem Absenden der Bewerbung oder schon während der Vertragsverhandlungen: Das Thematisieren der Unternehmensleitlininen gegen Diskriminierung lohnt sich, sollte beispielsweise bei der Recherche im Internet kein Dokument von Seiten des Unternehmens zu finden sein. Solche Antidiskriminierungsrichtlinien stellen nicht nur eine gute Informationsquelle dar, um sich umfänglich über das Unternehmen zu informieren, sie bilden auch eine gute Argumentationsbasis, sollten sich im Rahmen des Bewerbungsprozesses doch einmal die Frage stellen, ob von Seiten des Unternehmens noch mehr investiert werden sollte, um Voreingenommenheiten zu reduzieren.

Jeder, der sich demnächst beruflich neu orientieren will oder auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ist, ist also gut beraten, das zukünftige Unternehmen gemäß dieser Checkliste zu überprüfen.

Über den Autor:


Colm O’Cuinneain ist General Manager EMEA bei Greenhouse, einem US amerikanischen Unternehmen für Hiring-Software und verantwortet das EMEA-Geschäft aus der Zentrale in Dublin, Irland heraus. Er kann auf über 20 Jahre Erfahrung in der Tech-Branche zurückblicken, von denen er die letzten sieben Jahre im Bereich HR-Tech verbracht hat. Neben dem Aufbau wachstumsstarker Organisationen ist es Colms größtes Anliegen, die berufliche Entwicklung der Menschen, mit denen er zusammenarbeitet, und die Kundenbeziehungen nachhaltig zu verbessern. Seine persönlichen Werte spiegeln die Mission von Greenhouse wider, die darin besteht, die Kraft des menschlichen Potenzials am Arbeitsplatz freizusetzen.



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